HSS oder Super-Sync: Zwei Wege, ein Ziel

HSS oder Super Sync, Kurzzeitsynchronisation, Super FP Modus oder Hyper Sync? Was genau ist mit diesen Begriffen gemeint, über die sich viele unter euch die Köpfe heiß reden? Was funktioniert wie und womit, wo sind die Unterschiede, welche praktischen Auswirkungen ergeben sich?

Viele Fragen und Gründe genug, um dieses häufig diskutierte Thema näher zu beleuchten und aufzuzeigen, was dahintersteckt. Eines sei vorab schon mal verraten: HSS und Super Sync geben beim Blitzen zu jeder Zeit die kreative Kontrolle über das Licht

Blitzen mit offener Blende für eine gezielte Freistellung des Motivs vor dem Hintergrund. Foto: Krolop&Gerst.

Viele verwirrende Bezeichnungen

Als erstes bringen wir Licht in das Begriffs-Wirrwarr HSS oder Super Sync:

  1. HSS oder High Speed Synchronisation, High Speed Sync, (FP) Kurzzeitsynchronisation oder (Super / Auto) FP–Modus sind oftmals Bezeichnungen der Kamera-/Blitzgerätehersteller und meinen ein- und dasselbe technische Ausstattungs-Detail eines Blitzes: die stroboskopartige Aussendung vieler kurzer Einzelblitze für eine einzige Blitzbelichtung.
  2. Super Sync und die herstellerbezogenen Begriffe HyperSync, Hi-Sync oder Hot Sync stehen stellvertretend für ein bestimmtes Verfahren, das sich Eigenschaften und Besonderheiten einzelner Blitzgeräte und Blitzauslöser zu Nutze macht: die Blitzbelichtung mit einem langsam abbrennenden Blitz zu synchronisieren.

Zwei Wege, ein Ziel

High Speed Synchronisation und Super Sync arbeiten auf unterschiedliche Art und Weise, dennoch verfolgen beide das gleiche Ziel: Die Verwendung kürzerer Verschlusszeiten als die kamera-eigene Synchronzeit (circa 1/200 s). Wir können also blitzen und dabei eine Verschlusszeit von beispielsweise 1/4000 s verwenden. Wozu sind kürzere Verschlusszeiten gut?

  • Gestatten das gezielte Aufhellblitzen gegen die Sonne
  • Ermöglichen das Reduzieren / Eliminieren des Umgebungslichts für die Angleichung von Blitz- und Tageslicht oder um dramatische Lichteffekte zu erreichen
  • Erlauben die Blitzlichtfotografie bei Offenblende und damit eine präzise Steuerung der Schärfentiefe, um das Motiv vor dem Hintergrund freizustellen
  • Lassen das Einfrieren von Bewegungen in der Sport-, Action- und Abenteuer-Fotografie zu
  • Gleichen zu „starke Blitze“ aus, die sich über ihre manuelle Leistungseinstellung nicht weit genug herunter regeln lassen

Blitz- und Umgebungslicht ergeben hier einen dramatischen Bildlook. Foto:Krolop&Gerst.

Outdoor-Aufnahmen mit Licht und Schatten

Outdoor-Aufnahmen bei hellem Sonnenschein erfordern zusätzliches Licht zum Ausgleich hoher Licht-Schatten-Kontraste. Mit Blitzlicht lassen sich Schatten aufhellen und die gesamte Lichtstimmung durch Reduzieren oder Eliminieren des Umgebungslichts gezielt beeinflussen oder komplett verändern.

Das Aufhellblitzen eines im Gegenlicht liegenden Motivs bedarf oftmals hoher Blitzleistungen, um gegen die starke Sonne anzukommen. Die beiden Parameter Blende und Zeit beeinflussen das Blitz- und das Umgebungslicht. Für den Ausgleich zwischen Blitz- und Umgebungslicht lassen sich beide indes nicht unbegrenzt variieren. Ein Beispiel:

Viel Licht bedeutet bei durch die Kamera vorgegebener X-Synchronzeit (und somit kürzest möglicher Verschlusszeit) eine nahezu geschlossene Blende. Mit geschlossener Blende geht gleichzeitig der Freistelleffekt verloren, der gerade in der People-, Porträt- und Mode-Fotografie wichtig und beliebt ist.

An der Verschlusszeit lässt sich nichts ändern, da diese durch die kamera-eigene Synchronzeit festliegt. Als mögliche Variable käme noch ein verringerter ISO-Wert in Frage, hier sind die Möglichkeiten allerdings ebenfalls begrenzt. Wir zeigen Auswege aus diesem Dilemma, um bei Außenaufnahmen mit Blitz nicht zu viel an kreativen Möglichkeiten bei der Bildgestaltung einzubüßen.

Um zu kleineren Blenden und somit zu einer geringeren Schärfentiefe zu kommen, hilft in vielen Fällen ein Graufilter weiter. Er schluckt, abhängig vom Filter-Typ, beispielsweise drei Blendenstufen. Hätte die ursprüngliche Aufnahme Blende acht erfordert, käme jetzt Blende 2,8 ins Spiel (bei ansonsten unveränderten Einstellungen) – und der Freistelleffekt funktioniert. Der Graufilter ist nicht bei allen Fotografen beliebt. Der Einsatz von Schraub- oder Steckfiltern kostet Zeit und sie reichen nicht für alle Licht-Situationen aus. Eine erschwerte Beurteilung des Motivs durch ein dunkleres Sucherbild und Irritationen bei der automatischen Scharfeinstellung kommen hinzu.

Eine Alternative stellen für HSS oder Super Sync geeignete Blitzgeräte dar. Zusammen mit geeigneten Blitzauslösern sowie HSS-fähigen Kameras lassen sich beim Blitzen mit ihnen kürzere Verschlusszeiten als die X-Synchronzeit der Kamera verwenden.

Der Schlitzverschluss und seine Besonderheiten

Um die Funktionsweisen beider Varianten besser zu verstehen, machen wir einen kleinen Ausflug in die Technik des Schlitzverschlusses.

Die allermeisten Kameras sind mit diesem Verschluss-Typ ausgestattet, der aus zwei Verschlussvorhängen besteht. Im Ruhezustand deckt der erste Verschluss den Sensor ab (Abbildung 1). Mit Druck auf den Auslöser startet der erste Verschlussvorhang (Abbildung 2) und gibt den Sensor für die Belichtung frei (Abbildung 3). Rechtzeitig zum Ablauf der gewählten Belichtungszeit startet der zweite Vorhang (Abbildung 4) und deckt den Sensor ab (Abbildung 5).

Je kürzer die Belichtungszeiten werden, desto eher startet der zweite Vorhang, noch bevor der erste Vorhang den Sensor komplett frei gibt. Auf diese Art entsteht ein „Schlitz“, der über den Sensor läuft (Abbildung 3). Er belichtet die unterschiedlichen Sensor-Bereiche zu verschiedenen Zeitpunkten, der Sensor liegt zu keinem Zeitpunkt vollständig offen. Mit kürzer werdenden Verschlusszeiten wird der Schlitz schmaler. Bei Dauerlicht ist das alles kein Problem, da kontinuierliches Licht während der Belichtung vorhanden ist.

Beim Blitzen gilt es eine Besonderheit zu beachten: Der Zeitraum, innerhalb dessen der Sensor für eine Belichtung komplett frei ist, endet bei der Synchronzeit. Diese kamera-abhängige kürzeste Verschlusszeit liegt in der Regel bei 1/200 oder 1/250 Sekunde. Bei kürzer werdenden Belichtungszeiten läuft der zweite Verschlussvorhang zunehmend früher über den Sensor und erscheint als schwarzer Streifen in der Aufnahme. Je kürzer die Verschlusszeit, desto größer wird der dunkle Balken, bis die Aufnahme durchgehend schwarz ist. Korrekte Blitzbelichtungen sind somit normalerweise nur bis zur kamera- eigenen Blitzsynchronzeit gewährleistet.

Würde während des Blitzens eine Art „Dauerlicht“ den Sensor für den Zeitraum der Belichtung erreichen, ließen sich kürzere Verschlusszeiten erzielen. Selbst wenn es im ersten Moment widersprüchlich klingt, exakt diesen Umstand machen sich High Speed Synchronisation und Super Sync zu Nutze.

High Speed Synchronisation mit vielen schnellen Einzelblitzen

Ein HSS-fähiger Blitz feuert kurz vor, während und kurz nach Belichtungsbeginn in extrem kurzen, für das Auge unsichtbaren Intervallen hintereinander eine Vielzahl schneller Blitze ab. Für diese stroboskopartigen Lichtimpulse verbraucht er in kurzer Zeit viel Blitzleistung. Mit vielen schnellen Einzelblitzen beleuchtet er den Schlitzverschluss kontinuierlich, während sich dieser über den Sensor bewegt.

Nachdem die High Speed Synchronisation lange Zeit den Aufsteck-/Systemblitzen vorbehalten war, hat sie mittlerweile Einzug in den Porty-/Studioblitz-Sektor gehalten. Hier stehen leistungsfähige Modelle für das offenblendige Blitzen bei gleichzeitiger Reduzierung des Umgebungslichts in der Outdoor-Fotografie bereit.

Super Sync mit langsam abbrennendem Einzelblitz

Bei Super Sync (der Blitzauslöser-Anbieter Pocket Wizard nennt es HyperSync) funktioniert das Ganze anders. Super Sync macht sich die lange Abbrennzeit von Einsteiger-Studioblitzen und Portys zu Nutze. Der langsam abbrennende Blitz erreicht in kürzester Zeit seine höchste Leuchtkraft und glüht anschließend langsam aus. Im optimalen Fall brennt der Blitz so lange mit möglichst gleichmäßiger Leistung, wie der Schlitz benötigt, um sich über den Sensor zu bewegen.

Wichtig bei Super Sync ist, dass der Blitz bereits abbrennt, bevor sich der Verschluss öffnet. In der Praxis erledigt das ein geeigneter Funkblitzauslöser, der den Blitz vorab zündet. Je nachdem wie perfekt die Abbrenndauer des Blitzes ausgenutzt wird, beziehungsweise wie stark die Lichtintensität des Blitzes beim Abbrennen zum Ende der Leuchtdauer hinabfällt, entsteht ein mehr oder minder sichtbarer Helligkeitsverlaufauf dem Bild. Bei Super Sync gilt aus diesem Grund die Devise „Probieren geht über Studieren“. Ihr solltet auf jeden Fall Zeit zum Testen und gegebenenfalls für eine spätere digitale Nachbearbeitung einplanen.

Was ist besser, HSS oder Super Sync?

Eine eindeutige Entscheidung für HSS oder Super Sync lässt sich nicht so ohne weiteres treffen. HSS in einen leistungsfähigen Studioblitz integriert, macht das Blitzen mit Verschlusszeiten jenseits der Blitzsynchronzeit leicht, komfortabal und zeitsparend. Mit dem Jinbei HD-610 HSS Akku-Studioblitz haben wir ein portables HSS- und TTL-fähiges Blitzgerät im Programm, welches mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis glänzt.

Super Sync ist keine genormte Methode und hängt vom exakten Zusammenspiel von Kamera, Blitz und Blitzauslöser ab. Einige Hersteller (Elinchrom mit Hi-Sync und Priolite mit Hot Sync) haben dieses Verfahren weiterentwickelt und bieten speziell abgestimmte Lösungen im höheren Preissegment an.

Unter dem finanziellen Aspekt betrachtet wird Super Sync interessant, wenn Sie bereits geeignete Geräte in Ihrem Equipment haben oder für eine Neuanschaffung nur ein begrenztes Budget zur Verfügung steht.

Das Blitzen mit superkurzen Verschlusszeiten friert actionreiche Szenen ein. Foto: Krolop&Gerst.

Ob HSS oder Super Sync, beide geben Ihnen bei Outdoor Aufnahmen die kreative Kontrolle über das Blitzlicht. Für die Porträt-, Fashion-, Event- und Hochzeitsfotografen unter Ihnen sind beide perfekte Möglichkeiten, mit offener Blende zu fotografieren und über die Verschlusszeiten das Umgebungslicht zu beeinflussen.