Sportfotografie mit Blitzköpfen von Jinbei: 12 Antworten von Dennis Wolf / Wolf-Photoart

Dennis Wolf, Profi-Fotograf aus Magdeburg fotografiert mit Blitzköpfen von Jinbei häufig Sportler. Im Interview erklärt er uns, was Jinbei für ihn attraktiv macht, welches sein beeindruckendstes Shooting war und worauf es bei Sport-Shootings vor allen Dingen ankommt.

1. Seit wann nutzen Sie Blitzköpfe von Jinbei?
2. Welche Blitzköpfe haben Sie im Einsatz?
3. Weshalb haben Sie sich dazu entschieden, bzw. was macht Jinbei für Sie so attraktiv?
4. Was sind die wichtigsten Punkte, auf die es bei der Fotografie von Sportlern ankommt?
5. Welche Blitz-Einstellungen nutzen Sie bei der Fotografie von Sportlern?
6. Wie wichtig ist Schattenspiel in diesem Bereich der Fotografie und warum?
7. Welche Lichtformer kommen bei Ihnen vor allen Dingen zum Einsatz?
8. Wie läuft in der Regel die Vorbereitung des Shootings ab?
9. Wie die Nachbereitung?
10. Von zehn Shootings: Wie viele finden im Studio statt, wie viele im Freien?
11. Welche Rolle spielt die Arbeit mit Photoshop bei dieser Fotografie?
12. Welches Shooting im Bereich des Sports hat Ihnen am meisten Spaß gemacht, beziehungsweise welches war das beeindruckendste und warum?

1. Seit wann nutzen Sie Blitzköpfe von Jinbei?

Seit zwei Jahren nutze ich jetzt Blitzköpfe von Jinbei, vorher habe ich aber auch mit Produkten anderer Hersteller gearbeitet. Vor zwei Jahren habe ich dann meinen heutigen Kooperationspartner (mit dem ich im April 2018 die Fotoschule-Magdeburg kennengelernt, bei dem das Studio schon viel mit Jinbei ausgestattet war. Ich bin eigenständiger Freiberufler und habe neben der Kooperation noch ein kleines Studio, in dem ich aktuell weniger arbeite.

2. Welche Blitzköpfe haben Sie im Einsatz?

Wir haben „MSN-600V“-Blitze, 400er und auch Akkublitze HD-601. Dazu natürlich noch verschiedene Auslöser. Insgesamt arbeiten wir mit acht Blitzköpfen.

3. Weshalb haben Sie sich dazu entschieden, beziehungsweise was macht Jinbei für Sie so attraktiv?

Wichtig ist mir beispielsweise, dass die Farbtemperatur in einer deutlich anderen Liga spielt als bei manch anderen Herstellern. Auch die schnelle Ladezeit gefällt mir wirklich gut, denn ich kann sehr schnell hintereinander die Blitze auslösen. Der 600er lädt natürlich schneller auf als der 400er, aber beide geben eine absolut konstante Lichtleistung ab. Sind sie noch nicht komplett aufgeladen, lösen sie trotzdem aus, was schon einige tolle Bilder möglich machte, die ohne Blitzauslösung nicht entstanden wären. Was auch sehr cool ist, ist der extrem hohe Regelbereich. Mit bis zu 128tel kann ich das Licht extrem fein dosieren. So kann ich im Studio besonders offenblendig arbeiten. Was ich auch schön finde: Die MSN-Blitze haben einen Glasschutz, damit man mit den Lichtformern vor Beschädigung geschützt ist. Auch das Blitzen gegen die Sonne ist eine tolle Sache und da braucht man starke Blitze. Natürlich sind High-Speed-Sync und auch Freeze tolle Möglichkeiten, die immer wieder Einsatz finden. Freeze eben mit Abbrennzeiten von bis zu 1/19.000s, was natürlich extrem ist. So kriege ich feinste, extrem schnelle Bewegungen im Studio super gut eingefroren – die Verarbeitung ist 1A, da bin ich immer wieder beeindruckt. Und robust sind die Blitze auch. Der 601er ist uns bei einem Outdoor-Shooting mal durch einen Windstoß umgekippt und direkt aufs Display gefallen, das hat richtig geknallt. Da hatten wir kurz Herzklopfen, aber bis auf eine wirklich winzige Stelle ist dem Blitz einfach nichts passiert. Das hat mir gezeigt, wie gut sie verarbeitet sind. Mir erschließt sich wirklich nicht, dass man 1.000 Euro für einen Blitz ausgeben sollte, wenn man eine Topqualität und -Leistung zum günstigeren Preis kriegen kann.

Was ich beim Trigger sehr cool finde: Beim TRQ6 ist die Gruppenzuordnung extrem leicht zu machen. Man sieht sofort, in welcher Gruppe man ist. Dabei ist das Einstelllicht auch super und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist grandios, was für Trigger und auch Blitz gilt.

4. Was sind die wichtigsten Punkte, auf die es bei der Fotografie von Sportlern ankommt?

Fakt ist: Du musst selbst Sport lieben. Ich mache mein Leben lang schon Sport und habe viel Kampfsport gemacht, deshalb kann ich dieses Thema auch sehr gut fotografieren. Wenn mich jetzt jemand fragt, kannst du meine Hunde fotografieren, dann leite ich die Anfrage gern an Kollegen weiter, weil ich da nicht im Thema bin und es nicht so sehr liebe. Mein Motto ist: „Fotografiere nie, was dich nicht interessiert.“ Das schafft sonst, wie in jedem anderen Beruf auch, nur Mittelmäßigkeit. Bei Kampfsportlern ist es wichtig zu wissen, wann sie in ihren Endbewegungen angekommen sind. Da bekomme ich oft tolles Feedback, dass ich genau im richtigen Moment auslöse, weil ich eben selbst die Kampfkunst viele Jahre ausgeübt habe und somit im Thema bin. Ein wichtiger Punkt ist auch: Wenn ich draußen offenblendig arbeite,ist High-Speed-Sync extrem wichtig. So kann ich das Motiv später bei der Aufnahme besser freistellen, ohne Überbelichtungen zu riskieren. Das Shooting mit dem Taekwondo-Meister Osman hat teilweise im Park stattgefunden. Da sollte die Unschärfe im Hintergrund liegen, damit der Fokus auf dem Sportler liegt – und das geht nur mit HSS. Man hat da sehr gute Möglichkeiten, schöne Lichtakzente zu gestalten. Sagen wir mal, wenn ich beispielsweise gegen die Sonne fotografiere und deshalb einen Blitz setze, um mein Model aufzuhellen, schafft der Blitz hier auch sehr gute und viel bessere Kontraste.

Wenn man sich nicht mit dem zu fotografierenden Thema auskennt, dann kann ich nur empfehlen, dass man sich vorher mit der Sportart auseinandersetzt, die man jeweils fotografieren will. Einer der wichtigsten Punkte in der Fotografie von Personen ist, dass es bei dem Shooting eben um den Menschen geht. Man sollte nicht einfach nur den Auslöser drücken. Bei meinen Shootings habe ich immer wieder festgestellt, wie extrem wichtig es ist, die Persönlichkeit des Menschen in den Bildern zu transportieren. Es geht um Achtung, Wertschätzung und Persönlichkeitsentwicklung.

5. Welche Blitz-Einstellungen nutzen Sie bei der Fotografie von Sportlern?

HSS, wenn man draußen ist. Da reicht in einem abgedunkelten Studio eine Blitz-Synchronzeit von 1/250s (bei Nikon) meistens aus. Bei Nutzung von Wasser/Wasserspritzern, beispielsweise, würde ich in den Freeze-Modus gehen. Was ebenfalls wichtig ist – egal, ob man dort jetzt einen Sportler vor sich hat oder nicht – bei schnellen Bewegungen sollte man den Raum gut abdunkeln. Problematisch ist, dass der Fokus dabei oft Schwierigkeiten hat. Ich lasse mir also vorher zeigen, wie und wo die Person springt, stelle manuell auf diese Position scharf und positioniere auch die Blitze entsprechend. Ich nutze bei Bewegungen oft Striplights ohne Wabe, denn die Wabe richtet das Licht zu stark. Nun heißt es nur noch im richtigen Moment auslösen und mit einer Blende von 8 habe ich eine gute Schärfentiefe. Vorher ist natürlich auch noch ein Probeschuss ganz gut, um die Einstellungen an den Blitzen zu prüfen. Man sollte idealerweise schon im Vorfeld alles genau einrichten, damit der Sportler nicht unnötig zu oft kräftezehrende Bewegungen ausführen muss, ohne dass die Bilder im Kasten sind. Irgendwann ist einfach die Luft raus, auch bei den besten Athleten.

6. Wie wichtig ist Schattenspiel in diesem Bereich der Fotografie und warum?

Ich erinnere mich an das Jahr 2006, als es mit der Fotografie bei mir anfing. Damals habe ich das erste Mal den Satz gehört: „Fotografie ist Malen mit Licht“. Und dieser Satz hat sich eingebrannt. Die Bilder, die ich mit den Sportlern mache, sind inszeniert. Da sind Licht und Schatten wie das Gewürz in der Suppe. Ich habe ein Bild von Nick Hein (MMA-Kämpfer), auf dem er mit dem Rücken zu mir steht. Quasi eine Low-Key-Aufnahme, aber durch die Schatten mit besonders großer Dramatik. Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als bei Athleten die Muskulatur hervorzuheben. Eine Balletttänzerin kann man auch luftiger und mit weniger Dramatik ausleuchten. Licht und Schatten sind dabei also besonders wichtig. Was sicher auch ein interessanter Aspekt ist: Ich stelle immer wieder fest, gerade im Anfängerbereich, dass zu schnell zu viele Blitze eingeschaltet werden, ohne wirklich zu wissen, welcher Blitz für welchen Lichtakzent verantwortlich ist. Deshalb sollte man sich gerade zum Anfang erst mal mit viel Geduld herantasten und einen Blitz einschalten, testen und vor allem verstehen, wie er arbeitet und welche Wirkung er hat. Wenn das dann passt, kommt der zweite Blitzkopf hinzu, dann der dritte und so fort. So weiß man sicher, welche Lichtquelle wofür verantwortlich ist, wenn irgendetwas nicht stimmig ist. Da geht es also um kontrollierte Arbeit.

7. Welche Lichtformer kommen bei Ihnen vor allen Dingen zum Einsatz?

Striplights sind meine Lieblinge, weil man damit sehr schöne Streiflichter setzen kann. Aber ich arbeite gern auch mal mit einer Octabox. Ich habe mal mit einer Athletin das Cover des Films Kill Bill nachgestellt. Hierfür Da habe ich die Octabox quasi als Sonne von hinten eingesetzt. Den Beauty Dish nutze ich auch hin und wieder, aber nicht besonders oft. Was oft unterschätzt wird, sind die kleinen 5-Zoll-Reflektoren, welche standardmäßig zu vielen Blitzköpfen geliefert werden. Mit diesen kleinen Dingern arbeite ich häufig, da mit ihnen tolle, harte Lichteffekte möglich sind. Waben nutze ich auch regelmäßig, gerade in den Striplights kommen sie oft zum Einsatz, wenn keine großen Bewegungen im Foto festgehalten werden müssen.

8. Wie läuft in der Regel die Vorbereitung des Shootings ab?

Vor dem Shooting sollte man definitiv ein Vorgespräch führen. Wenn nicht persönlich, dann telefonisch. Denn es ist wichtig, eine Zielsetzung zu haben – der Sportler muss also erklären, was er will, beziehungsweise muss ich ihm/ihr meine Vorstellung erläutern. Nach jedem Gespräch geht es an die Konzepterstellung, meist in der Form einer Tabelle. Dort kann man Pose, Aktion, Outfit und Lichtsetup eintragen. Ich achte bei der Planung bereits darauf, dass die verschiedenen Sets aufeinander aufbauen und ich die Lichtsetups nicht immer wieder umbauen muss. Dann habe ich Ruhe im Shooting und diese überträgt sich auch auf mein Model. Eine gute Vorbereitung hat auch mit Wertschätzung gegenüber dem Kunden zu tun. Ich möchte mich mit den Menschen am Tag des Shootings beschäftigen und es in seiner Persönlichkeit erleben. Wenn ich dann erst im Shooting mit den Setups anfange, dann kann ich dem Kunden nicht meine komplette Aufmerksamkeit widmen. Eine gute Vorbereitung gibt bringt also mehr Ruhe in die Arbeit und schafft auch Freiraum für Spontaneität. Deshalb widerspreche ich auch gern der Aussage, dass Planung und Spontaneität sich ausschließen. Ganz im Gegenteil. Von einer guten Vorbereitung hängen aus meiner Sicht 50 Prozent des Ergebnisses ab. Der nächste Aspekt klingt zwar lustig, ist aber auch sehr wichtig. Und zwar sollte bei Sportlern die Körperrasur nicht unbedingt am Abend vor dem Shooting stattfinden, denn das kann schwierig werden, wenn es Rasurbrand mit kleinen roten Pickelchen gibt. Daraus folgt oft eine sehr langwierige Bildbearbeitung.

9. Wie die Nachbereitung?

Wenn ich die Zeit habe, dann lasse ich die Bilder nach dem Shooting gern einen Tag liegen, das erlaubt mir ein bisschen Abstand zu bekommen. Der Grund: Wenn man mit Menschen arbeitet, ist man selbst teilweise emotional hochgekocht. Beispielsweise bei meinem Shooting mit dem Taekwondo-Meister Osman Eryörük. Da waren wir zehn Leute und alle absolut elektrisiert von dem Mann. Nach einer Vorauswahl der Bilder folgt anschließend eine finale Auswahl. Da geht es dann um Feinheiten in Posing und Ausdruck, aber auch oft um Bauchgefühl. Diese Bilder werden bearbeitet. Ich arbeite ausschließlich mit Photoshop. Die RAW-Entwicklung wird von vielen Fotografen oft ein wenig vernachlässigt, was ich sehr schade finde, denn hier liegt vor der eigentlichen Bearbeitung in Photoshop schon viel Potential. In Photoshop beginne ich erst mit der Grundretusche und dann geht es um die Bildgestaltung im Rahmen eines Composings. So kommen bei Photoshop manchmal 20 Bild-Elemente zusammen. Meistens sind es zwischen 8 und 12 Bildern. Oft kaufe ich auch Bildmaterial dazu, um einen gewissen Grundstock an Fotos zu haben, mit denen ich arbeiten kann. Hat man beim Fotoshooting, also in der Fotografie und Lichtsetzung, geschlampt, zeigt sich das bei der Bearbeitung sehr schnell. Gute Ausgangsbilder sollten daher immer der Anspruch sein.

10. Von zehn Shootings: Wie viele finden im Studio statt, wie viele im Freien?

Von zehn Shootings finden ohne Probleme acht im Studio statt. Grund dafür ist, dass ich das Licht immer komplett kontrollieren möchte. Outdoor ist das schon schwieriger, auch weil die Sonne wandert. Im Studio habe ich einfach die komplette Kontrolle.

11. Welche Rolle spielt die Arbeit mit Photoshop bei dieser Fotografie?

Man könnte sagen, dass ich mit Photoshop verheiratet bin. Ich liebe es einfach, die Grenzen der reinen Fotografie zu sprengen. Eins meiner Bilder, welches etwas höhere Wellen geschlagen hat, ist das Bild, auf dem ich das Cover des Films King Kong nachempfunden habe. Diese Arbeit und die Erläuterung zur Entstehung wurde in einem Fotomagazin veröffentlicht. Auch persönlich immer noch eines meiner Favoriten.

12. Welches Shooting im Bereich des Sports hat Ihnen am meisten Spaß gemacht, beziehungsweise welches war das beeindruckendste und warum?

Das ist sehr schwer einzugrenzen. Meine absoluten Favoriten waren wahrscheinlich Nico Hilger, der ehemalige Weltmeister im Breakdance und auch MMA-Fighter Nick Hein. Er ist jetzt 35 Jahre alt und hat seine Wettkampf-Karriere beendet. Nick ist halt ein echter Macher, der steht im Leben. Und natürlich die Arbeit mit Taekwondo-Meister Osman Eryörük, der mehrfacher Welt- und Europameister ist. Das sind vermutlich die Shootings, die mich am meisten beeindruckt haben. Das ist einfach die Athletik, das Herz und Feuer dieser Menschen. Da treffen Leidenschaften aufeinander. Ich brenne für meine Sache und sie brennen für ihre Sache. Energie, Atmosphäre und Mindset. Das macht mich einfach glücklich. Mit welcher Konzentration und Hingabe Osman Eryörük da acht Stunden seine Kicks und Sprünge gemacht hat und Müdigkeit einfach nicht zu sehen war. Und das Beste daran ist, dass man sich gemeinsam mit Kunden und Team weiterentwickelt. Man muss lieben, was man tut!

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